Auf nichts Unumstößliches stößt der geneigte Leser in diesem Blog. Alles ist Überlegung, nichts Überlegenheit. Standpunkte sind springende Punkte und Punktlandungen selten.
________________________________________________

Samstag, 20. Januar 2018

Wem gehört das Fahrrad bei mir hier?

Ssalaam,

als Deutsche unter Migranten, viele aus Nahost, bin ich im Berliner Wedding mehr Frage als Antwort.
Ich sehe kaum Gemeinsamkeit und suche sie auch nicht. 
Mich reizt der Unterschied. Doch muss es Missverständnis sein? Permanent? 

Araber und Deutsche tun sich miteinander schwer. 

Beider Sprachen im Vergleich – ein erster Schritt? 

Auf Deutsch heißt es: „Ich habe ein Fahrrad“ und damit ist Besitz gemeint. (Manche besitzen auch Angst, Sorgen, Probleme...)

Arabisch kennt kein deutsches Haben, oder? Man sagt wohl: „Ein Fahrrad ist bei mir“; Ein und Präsens-Formen von Sein entfallen.

Wer „Fahrrad bei mir“ mit „Ich habe ein Fahrrad“ übersetzt, hat meistens recht, jedoch nicht immer. Nicht, wenn ein Familienrad von einem oder einer der miteinander Verwandten, Freund oder Freundin der Familie... gerade genutzt wird.

Auch die arabische Kultur kennt individuellen Besitz, ohne Zweifel (!), dennoch sind das Wir und die Familie wichtiger als jedes Ich.

Sprache als Indikator?

Kommentare:

  1. Oh, nein! Ich fahre nicht wieder! Das heißt, ich fahre sehr wohl, sogar recht viel, aber nicht Fahrrad! Ich habe noch gar kein neues Rad gekauft und auch auf einem geborgten fahre ich nicht. "Ich habe ein Fahrrad" dient hier nur als Illustrierung. :-)

    AntwortenLöschen
  2. Manche Völker haben sehr viele Wörter für bestimmte Farben, die reiche deutsche Sprache kann da nicht mithalten. Bei uns reichen da oft genauere Bezeichnungen, Attribute - weißer Schnee, dreckiger Schnee. Wir haben weder für den Schnee 20 Wörter noch für weiß. Wozu auch. Wir kommen mit Schattierungen aus, wo bei anderen Völkern Vielfalt in der Sprache ist.
    Möglich, dass Du recht hast und die Sprache auch ein Indikator für ein unterschiedliches Eigentumsverhältnis ist. Ich beobachte aber durchaus Probleme, die dagegen sprechen - Junge mit Laptop und Handy - Mädchen ohne - und der Familiensinn des Jungen war leider nicht besonders ausgeprägt... Das Mädchen musste aufgerüstet werden. Gemeinsame Nutzung war nicht möglich. Dennoch glaube ich, dass Sprache ein guter Indikator ist und Du im Grunde damit recht hast.
    Z. fragte heute, ob ich Umgangssprache auch schreibe. Grundlage der Frage war ein Buch, das T. mithatte und das fast nur aus Umganssprache bestand. Damit sind nicht Dialoge gemeint...

    AntwortenLöschen
  3. Das Problem, das Du ansprichst, Jungen sind materiell besser ausgestattet als Mädchen und haben auch immateriell mehr Rechte, ist ein anderes als das der Unterordnung des Ich unter das Wir. Das ist die strikte Trennung von Frauen und Männern. Damit einher geht die Geringschätzung der Frau und ihre Bestimmung für überwiegend hauswirtschaftliche Tätigkeiten und Kinderversorgung. Sie wird versteckt - entweder im Haus oder, sobald sie dieses verlässt, unter Tüchern, die regional unterschiedlich gebunden werden und heißen.

    Auch für diesen Umgang mit den Geschlechtern gibt es sprachliche Entsprechungen. Ein Beispiel ist die Anrede. Spreche ich mit einem Jungen, sage ich du = anta, spreche ich mit einem Mädchen, sage ich du = anti.

    Ich kann nur denken, wofür ich Worte habe, oder anders herum formuliert: Die Worte, die mir gegeben sind, prägen mein Denken und somit Handeln.

    Das Extrembeispiel ist die LTI.

    AntwortenLöschen
  4. Welches Buch hatte T. mit? Das Buch zu dem Film?
    http://www.tschick-film.de/#home

    AntwortenLöschen
  5. Nein, es war ein anderes Buch. Ich frage T. und mache mal Handyfotos, damit Du eine Vorstellung bekommst. Tschik ist, nach allem, was ich darüber gehört habe, ja ein sehr lesenswertes Buch. Bei T.s Buch handelte es sich m.E. um etwas anderes...

    AntwortenLöschen